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Roy Orbison Biografie

Kurz-Biografie

Roy Kelton Orbison wurde am 23. April 1936 um 15:30 Uhr in Vernon, Texas, geboren. Seine Mutter Nadine war Krankenschwester, sein Vater Orbie Lee ein Arbeiter und Roy war ihr zweites Kind. An seinem sechsten Geburtstag, Roy hatte sich eine Mundharmonika gewünscht, bekam er von seinem Vater glücklicherweise eine Gitarre. Orbie Lee wird nachgesagt, Roy das Gitarrenspiel beigebracht zu haben. Wie dem auch sei; Roy lernte auch von Charlie Orbison, Orbie Lee's Bruder, und von Kenneth Schulz, dem Bruder von Nadine. Zusammen mit Clois Russel, Orbie Lee's Nachbar und Arbeitskollege, spielten und sangen sie oft. Das erste Lied, dass Roy je gespielt hat, war der Klassiker "You Are My Sunshine". Roy lernte sehr schnell, weil er auf diese Weise lange aufbleiben konnte, um mit den Erwachsenen zu singen.

Irgendwann im Jahr 1942 zog die Orbison Familie nach Fort Worth. Dort in Fort Worth fanden sie Arbeit in den Munitions- u. Flugzeugwerken, die infolge Amerikas Eintritt in den 2. Weltkrieg expandierten. Wegen einer Polio-Epedemie wurden Roy und sein älterer Bruder Grady 1944 zurück geschickt, um bei ihrer geschiedenen Großmutter mütterlicherseits in Vernon zu leben. Roy schrieb im selben Jahr vor dem Haus seiner Großmutter seinen ersten Song "A Vow of Love". 1945 nahm er an einem Gesangswettbewerb des Senders KVWC teil und gewann ihn. Das führte dazu, dass Roy jeden Samstag in einer eigenen Radio-Show seine Lieder singen konnte. 1946 kam eine Arzneimittel-Werbeshow in die Stadt und Roy nahm mit den Songs "Mountain Dew" und "Jole Blon" an deren Talentwettbewerb teil und kam zusammen mit einem 15 jährigen Kind auf den ersten Platz. Der erste Preis waren 15 Dollar - Roy bekam also 7,50 Dollar und er gab noch die Hälfte davon seinem Freund für das Tragen der Gitarre.

Als der Krieg vorbei war, vereinte sich die Familie wieder in Vernon und zog Ende 1946 westwärts nach Wink, Texas. Roy formierte 1949 im Alter von 13 Jahren seine erste Band, die sich selbst "The Wink Westerners" nannte.

Im Jahr 1951 war Roy regelmäßig beim Radiosender KERB in Kermit zu hören. 1952 wurde Roy der Manager des "Wink High School's Kittens" - Football Teams. 1953 hatte die Band einmal pro Woche vor Schulbeginn beim Sender KERB eine eigene Show, die von ortsansässigen Geschäftleuten gesponsert wurde. Den ersten öffentlichen Auftritt hatten "The Wink Westerners" in einem der Schulgebäude. Sie wurden auch unterstützt durch die jeden Samstagnachmittag vom Sender KERB ausgestrahlten Sendungen mit lokalen Country & Western Bands. Die ersten Songs, die sie spielten, waren "Kaw-Liga", "Mexican Joe", "Caribbean" und "Under The Double Eagle". Aber sie wollten nicht ausschließlich Country Musik machen - schrittweise begannen sie Big-Band-Arrangements für Streicher zu schreiben und Instrumentals wie "In The Mood" oder "Little Brown Jug" sowie Pop-Klassiker zu spielen. Den Sommer verbrachte Roy mit Arbeit in einer Teerfabrik, Verschrotten von Metall in den Ölfeldern oder Anstreichen von Wassertürmen. Roy war auch Mitglied im Spielmannszug, in einer 8er-Gesangsgruppe und versuchte sich gelegentlich sogar daran, das Bariton-Horn zu spielen.

Bei einem der Bandauftritte im McCamey's Lions Club bekamen sie das Angebot, für ein Honorar auf einer Tanzveranstaltung zu spielen. Die Bezahlung für den Job entsprach dem Lohn für eine Woche harte Arbeit, so dass sie einwilligten, obwohl sie gerade mal 4 oder 5 Songs spielen konnten. In aller Eile übten sie im Bürgerhaus zusätzliche Songs und begannen damit, für das bezahlt zu werden, was sie am liebsten tun wollten.

Von R.A. Lipscomb, der sich 1953 für das Bezirksvorsitzenden-Amt des Lions Club bewarb, wurden sie zu einer Tour durch West Texas eingeladen. Sie nahmen am 36. Internationalen Lions Club Treffen vom 3. bis 11. Juli des Jahres in Chicago teil - zusammen mit Mr. Lipscomb wohnten sie im Conrad Hilton Hotel und die Wink Westerners traten in der Hotel-Lobby auf. Nach seinem Abschluss an der Wink High School schrieb sich Roy im Juni 1954 für das Herbst Semester am North Texas State College in Denton ein, kam zum Weihnachtsfest nach Hause und spielte am 31. Dezember 1954 mit den Wink Westerners zum Neujahrstanz auf.

Wade Lee Moore und Dick Penner waren zwei College-Freunde von Roy in Denton, die den Song "The Ooby Dooby" geschrieben hatten. Dick Penner arrangierte für sie die Aufnahme des Songs in Jim Beck's Studio am Stadtrand von Dallas, Texas, südöstlich von Denton. Beck war verantwortlich für die Entdeckung von Lefty Frizzell und Marty Robbins für Columbia Records und deshalb reiste die Band nach Dallas um "Ooby Dooby" und "Hey, Miss Fannie" (das sich anhört wie ein Duett von Roy und James Morrow) aufzunehmen. Die Aufnahmen fanden an verschiedenen Tagen im Sommer 1955 statt und die Jungs kamen dann zurück nach West Texas. Roy war überzeugt, einen Vertrag mit Columbia Records zu bekommen - es kam aber nie dazu.

Im Laufe des Sommers 1955 vereinten sich die Wink Westerners erneut in West Texas. Wenn sie nicht in lokalen Clubs auftraten, spielten sie beim Samstag-Nacht-Festival in Jal, New Mexico. Irgendwie schaffte es die Band, zusammen mit anderen lokalen Country & Western Bands bei einer Samstagnachmittag Fernseh-Show beim KMID-TV Kanal 2 in Midland aufzutreten. Zusätzlich zu ihrem Repertoire begannen sie ein paar Rock and Roll Nummern inklusive "That's All Right Mama", "Rock Around The Clock" und natürlich "Ooby Dooby" zu spielen. Sie hatten umgehend Erfolg damit und als Ergebnis erhielten sie eine eigene 30 Minuten-Show Freitags Nacht beim Sender KMID.

Roy schrieb sich im Herbst 1955 am Odessa Junior College ein, um als Hauptfach Geologie zu studieren, doch dann wechselte er zu Geschichte und Englisch. Bald danach trafen die Bandmitglieder erneut in der Walnut Street in Odessa zusammen. Mit einigen neuen Mitgliedern benannten sie sich selbst um in "The Teen Kings", weil sie mehr und mehr Rock and Roll spielten. Sie bekamen eine zweite lokale wöchentliche TV-Sendung, am Samstag von 16:30 bis 17:00 Uhr beim Kanal 7 des TV-Senders KOSA, Odessa, der zum nationalen CBS-Verbund gehörte. Zu der Zeit kamen Johnny Cash und Elvis Presley für Auftritte in die Stadt und erschienen auch in Roys Fernsehshow. Roy bat Johnny Cash um Rat, wie er eine Schallplatte veröffentlichen könne, und Cash gab ihm die Telefon-Nummer von Sam Phillips in Memphis. Roy rief dort an und Mr. Phillips legte mit den Worten "Johnny Cash leitet nicht meine Plattenfirma!" den Hörer auf.

Roy hatte sich dem lokalen Unternehmer Weldon Rogers vorgestellt, der in Verbindung zu Chester C.C. Oliver stand. Die beiden hatte gerade die Firma Je-Wel gegründet und wollten von Roy und der Band Aufnahmen machen. Roy nahm ängstlich das Angebot von Regers und Oliver an und die hastig arrangierte Aufnahme-Session fand am 4. März 1956 im Norman Petty Studio in Clovis, Neu Mexico, statt. Dabei wurden mit Roy und den Teen Kings die Clover's Titel "Trying To Get To You" und "Ooby Dooby" aufgenommen. Die Single wurde 2 Wochen später, ca. am 19. März 1956 fertig gestellt. Am gleichen Tag nahm Roy eine Kopie davon und brachte sie zu Cecil Hollifield nach Odessa. Er war ein sehr bekannter Platten-Händler in West Texas. "Poppa" Hollifield mochte diese Aufnahmen und spielte sie per Telefon einem Bekannten in Memphis vor. Der Typ am anderen Ende der Leitung bat ihn um eine Kopie. Sein Name war Sam Phillips. Besitzer der Firma Sun Records. Ein paar Tage später rief "Poppa" bei Roy an und sagte ihm, das Sam Phillips die Teen Kings in drei Tagen in Memphis erwarten würde, um Aufnahmen für Sun Records zu machen.

Roy und die Teen Kings kamen am Montag, den 26. März 1956, in Memphis an. Am folgenden Tag wurde "Ooby Dooby", "Trying To Get To You" und "Go Go Go (Down The Line)" neu aufgenommen. Bob Neal, Besitzer von Starts Inc., schloss mit der Gruppe einen Buchungs- und Managementvertrag. Sie begannen versuchsweise mit einer Tour durch südliche Autokinos, in denen sie zwischen den Filmvorführungen auf dem Dach des Projektionshauses auftraten. Die meiste Zeit waren sie mit Carl Perkins, Johnny Cash, Warren Smith, Sonny Burgess, Faron Young, Johnny Horton und schließlich mit Jerry Lee Lewis und anderen Country und Rockability Stars auf Tour.

"Ooby Dooby" erreichte im Juni 1956 als höchste Position den Platz 59 in der nationalen Hitliste, aber die nächste Sun Single landete gar nicht in den Charts und Roy begann sein Songschreibertalent zu entfalten. Die Teen Kings trennten sich im Dezember 1956 und Roy nutzte Studio-Musiker für die nachfolgenden Aufnahmen. Bis 1958 blieb er weiterhin bei Sun Records.

Bob Neal bot Roy im März 1958 einen Auftritt in der Everly Brothers Show in Hammond, Indiana, an. Die Everlys brauchten noch einen Song für ihre neue Single und sie fragten Roy, ob er nicht irgendwas Passendes hätte. Er sang ihnen seine neue Komposition "Claudette" vor, sie baten ihn den Text aufzuschreiben und Roy schrieb den Text auf den Deckel eines Schuhkartons. Roy schloss später mit Wesley Rose, von der Vertriebsfirma Acuff-Rose Musik, einen Vertrag für dessen Verlag in Nashville. Wesley Rose besorgte Roy auch einen Vertrag mit RCA-Victor, wo er nachweislich mit Chet Atkins arbeitete.

"Claudette" von den Everly Brothers wurde im März 1958 als B-Seite von "All I Have To Do Is Dream" veröffentlicht. Die A-Seite kam auf Platz 1, "Claudette" erreichte Platz 30. Zu der Zeit wurden seine Songs auch von Buddy Holly, Jerry Lee Lewis und Rick Nelson aufgenommen.

Wesley Rose verschaffte Roy umgehend einen neuen Vertrag mit der unabhängigen Firma Monument Records, als sein Vertrag mit RCA Mitte 1959 auslief.

Zurück in Texas begann Roy mit Joe Melson Songs zu schreiben und nach einem Flop hatten sie Erfolg mit "Uptown", welches Ende 1959 aufgenommen und veröffentlicht wurde. Von "Uptown", dass es immerhin bis auf Platz 50 der Top-100 Liste schaffte, wurden mehr Platten verkauft als von irgend einem anderen Orbison Song seit "Ooby Dooby". Der Sound war ungewöhnlich, weil er Streicher statt der in Nashville sonst üblicherweise verwendeten Fiedeln enthielt.

Die dritte Single für Fred Foster's Monument Label war "Only The Lonely", bei dem zum ersten Mal das Potential von Orbison's Stimme ausprobiert wurde und das seine Einzigartigkeit etablierte. Der Song landete auf Platz 2 und erreichte in England Platz 1.

Die Herausforderung "Only The Lonely" zu übertreffen war groß. Die nachfolgenden "Blue Angel" und "I'm Hurting" unterschieden sich nicht ausreichend von "Only The Lonely" und es bedurfte weiterer Versuche von Orbison und Melson, wieder etwas Besonderes zu erschaffen.

Der nächste größere Erfolg war "Running Scared", welches den Weg bis auf Platz 1 in den USA schaffte.

Ein paar Sachen trugen zu Roys Erfolg bei: die Songs, die Produktion und Roys Leistung waren Schlüsselfaktoren. Die Songs bildeten eine Einheit aus Struktur, Sound und Stil. Vollkommen zukunftsweisende Kompositionen, wie es sie bis dahin nicht gab - es wurde eine Stilrichtung. Fred Foster bemühte sich um Qualität statt Quantität. Er war auch ohne Erfolgsgarantie gewillt in eine Aufnahme zu investieren und er war bereit, auch dem Sound eine Chance zu geben, der sich nicht an marktübliche Normen hielt.

Danach folgten "Crying", "Candy Man", "Dream Baby", "Working For The Man", "Leah", "In Dreams", "Pretty Paper", "Blue Bayou", "Mean Woman Blues" und "It's Over". Das wurde eine Reihe von Top 40 Hits für Roy in den folgenden vier Jahren. Roy wurde zum meistverkauften amerikanischen Künstler und zu einem der größten Namen in diesem Geschäft.

Im Mai 1963, während des Erfolges von "In Dreams", bekam Roy vermutlich die Einladung von Wesley Rose, mit den Beatles, die niemand in den USA kannte, in England auf Tournee zu gehen. Sämtliche Karten waren an einem Nachmittag ausverkauft. In der ersten Abendvorstellung bekam Roy 14 "Vorhänge", bevor die Beatles auf die Bühne konnten.

Roy Orbison war einer der wenigen Hit-Erzeuger, der seine Position halten und seine Bekanntheit steigern konnte in der Zeit der sog. "Englischen Invasion" in den USA. Er schaffte es mit seiner unschlagbaren Qualität seiner Songs, mit seinen einzigartigen Inhaltsvariationen, seiner Songstruktur, dem Tempo und dem Rhythmus. Er war auch ein extrem beweglicher Songschreiber, der während einer Reihe von Auftritten oder zwischen den Auftritten, den Songs den kommerziellen Glanz verleihen konnte.

"Oh, Pretty Woman" wurde am 1. August 1964 aufgenommen. Es wurde zusammen mit seinem neuen Partner Bill Dees geschrieben und es wurde Roys größter Hit und zweifellos eines der bekanntesten Rock-Lieder aller Zeiten. Im August in den USA und im September in England veröffentlicht, kletterte es an die Position 1 in allen Ländern der Welt. Schätzungen zu Folge wurde der Song über sieben Millionen mal in dem Jahr verkauft.

Roy ging 1964 mit den Beach Boy und 1965 mit den Rolling Stones in Australien auf Tournee und bestritt ausgiebig Tourneen durch Europa.

Einige größere Plattenfirmen zeigten nach seiner Anstellung bei Monument ihr Interesse an Roy. MGM machte ein Angebot von 1 Million Dollar. Die erste Single, "Ride Away" wurde nur ein mäßiger Erfolg, aber es war der größte in den USA, den Roy in den nächsten 20 Jahren haben sollte. Was zunächst nicht mehr als ein Wechsel der Plattenfirma erschien, wurde eine große Wendung in seiner Karriere. MGM war sehr erfolgreich zu der Zeit, aber auch das sollte sich ändern. Monument war Roys Label, aber bei MGM war er nur ein weiterer Künstler. Quantität zählte mehr als Qualität und Roy musste eine vorgegebene Anzahl Singles und Alben pro Jahr veröffentlichen, was nicht ohne Folgen blieb.

Seine dunkle Zeit setzte sich fort, als auch sein Privatleben aus den Fugen geriet. Im Jahr 1966 starb seine Frau Claudette, die er 1957 geheiratet hatte, bei einem Motorradunfall. Zwei Jahre später wurde es noch schlimmer - zwei seiner drei Kinder starben, als sein Haus in Hendersonville nieder brannte. Roy war eine zeitlang unfähig Songs zu schreiben, gab sich aber nach außen hin positiv und ging weiter auf Tour. Ende 1966 drehte Roy den Film "The Fastest Guitar Alive", in dem er seine einzige Film-Hauptrolle spielte. Sein letzter Top-100 Eintrag in den USA für den Rest der 60er und 70er Jahre war "Cry Softly Lonely One" im Juli 1967.

Im August 1968 hatte Roy eine deutsche Frau namens Barbara Annemarie Wellhöner-Jacobs in Leeds, England, kennen gelernt. Sie kam Ende 1968 in die USA und sie heirateten am 25. Mai 1969 in Nashville. Sie begannen damit, ein neues Haus am Old Hickory Lake in Hendersonville zu bauen, nur einen Block entfernt von der Stelle, an der das alte Haus vorher gestanden hatte.

Als sein Vertrag mit MGM Ende 1973 auslief, unterzeichnete Roy 1974 einen Ein-Jahres-Vertrag mit Mercury Records ohne größere Erfolge zu haben, doch, wie Roy es ausdrücken würde, hatte er immer irgendwo in der Welt eine Aufnahme in den Hitlisten. "Penny Arcade" war zum Beispiel wochenlang Nummer 1 in Australien und "Too Soon To Know" war Nummer 3 in England. Nach dem Vertrag mit Mercury Records unterschrieb Roy 1976 zwischen Touren im fernen Osten, Australien, Asien und Europa erneut bei Monument mit der Absicht, seine Karriere fortzusetzen. Roy bezahlte dann für sein starkes Rauchen, seine schweren Tourneen und sein Leben auf der Straße, als er sich am 18. Januar 1978 einer Operation am offenen Herzen im St. Thomas Hospital in Nashville unterwarf, aber er war bereits drei Wochen später zurück auf der Straße - nur um zu prüfen, ob er es noch konnte.

In diesem Zeitraum begannen sich die Verhältnisse in den USA zu bessern. Roy stand in Europa, hauptsächlich in England, immer im Rampenlicht und jeder wusste, wer Roy Orbison ist. Er war populär und er hatte mehr Show-Auftritte in Europa, als in seinem Heimatland. Als Linda Ronstadt einen großen Hiterfolg mit Roys "Blue Bayou", das 7 oder 8 Millionen mal verkauft wurde, verzeichnen konnte, Van Halen einen Riesenerfolg mit "Oh, Pretty Woman" hatte und Don McClean das gleiche mit "Crying" erreichte, begann auch für Roy Orbison das Comeback in den USA.

Schlüsselfaktoren für Roys Karrieren-Wiedergeburt in den USA waren: ein Grammy für "That Lovin' You Feelin' Again" mit Emmylou Harris, sein Song "Wild Hearts Run Out Of Time" in dem Film 'Insignificance', die Veröffentlichung der LP "Class Of '55" zusammen mit anderen Sun-Gefährten, sein Gang nach Malibu, Californien, Ende 1985 zu Neuaufnahmen seiner größten Hits für eine LP des Labels Silver Eagle aus Kanada und die Verwendung seines Songs "In Dreams" für den Film 'Blue Velvet' - alles zusammen trug dazu bei, Roys Musik wieder ins Gespräch zu bringen. Der Kultfilm 'Blue Velvet' half Roy dabei, wieder dem Zeitgeschmack zu entsprechen - das was er immer gewollt hatte.

Es wurde verkündet, das Roy am 21. Januar 1987 in die 'Rock and Roll Hall Of Fame' in New York aufgenommen würde. Die Ansprache von Bruce Springsteen lautete: "Als ich 1975 ins Studio ging, um "Born To Run" zu produzieren, wollte ich einen Song machen mit einem Text wie Bob Dylan und einem Sound wie Phil Spector. Vor allem aber wollte ich singen wie Roy Orbison." Direkt danach schloss Roy einen Vertrag mit Virgin Records ab, die umgehend seine größten Erfolge auf der LP "In Dreams - Greatest Hits" heraus brachten. Es gab auch ein paar neue Songschreiber, die mit Roy zusammen arbeiteten - u. a. auch Jeff Lynne. Neues Material wurde für eine geplante Virgin-LP in Los Angeles aufgenommen und die Erwartungen wuchsen.

Roy wollte schon seit längerer Zeit ein TV-spezial machen. Einige wurden aufgenommen, wie z.B. sein Auftritt im Los Angeles Country Club oder sein Live-Auftritt in Birmingham, Alabama, aber nichts reicht an das sehr schöne "Roy Orbison and Friends - A Black and White Night Live". Dieses Ereignis wurde im legendären 'Coconut Grove' im Ambassador Hotel in Los Angeles aufgezeichnet. Die Band setze sich zusammen aus bekannten Gesichtern. Unter ihnen waren Bruce Springsteen, Elvis Costello, K.D. Lang, Tom Waits, Bonnie Raitt, Jennifer Warnes, T-Bone Burnette, Jackson Browne und J.D. Souther und sie wurden unterstützt von Elvis Presley's Showband, die auch James Burton an der Gitarre beinhaltete. Dieses TV-spezial wurde im Januar 1988 vom Cinemax Kabelfernsehen ausgestrahlt und nachträglich als Video veröffentlicht. Es wurde zum Meilenstein in Roys Karriere.

Von "Crying" wurde ein Duett mit K.D. Lang als Single und als Video herausgebracht und es brachte Roy einen weiteren Grammy. Seine Zusammenarbeit mit Jeff Lynne wurde sehr produktiv. Jeff hatte gerade George Harrison's "Cloud Nine" produziert und arbeitete gleichzeitig an Roys und Tom Petty's Material. Das führte letztendlich zum Projekt Traveling Wilburys, das ein Riesenerfolg wurde. Die Gruppe bestand aus Roy, George Harrison, Jeff Lynne, Tom Petty und Bob Dylan. Die Aufnahmen wurden im Oktober fertig gestellt und erreichten die Top-10. Danach folgte noch ein schönes Video für ihre erste Single "Handle With Care".

Roys neues Solo-Album war schon fertig und bereit zur vorgesehenen Veröffentlichung im Januar 1989. Roy kam Mitte November nach Europa und bei der Diamond Award Verleihung am 19. November 1988 in Antwerpen, Belgien, war er die Hauptattraktion des Abends. Die Show wurde aufgezeichnet und Roy sang zu einem Playback seines neuen Songs "You Got It". Roy hatte eine neue Band und er sah besser aus je zuvor mit seinem kleinen Pferdeschwanz. Roys neues Outfit war hervorragend und gleichzeitig etwas schockierend - er war wieder DER Roy Orbison.

Er kam zurück nach Amerika, spielte sein letztes Konzert in Highland Heights, Ohio, und er hatte schon feste Pläne für große Tourneen in Europa und den USA in den nächsten Jahren. Er fuhr am 4. Dezember runter nach Nashville und am Dienstag, den 6. Dezember 1988, verbrachte er seine Zeit mit Einkaufen von Modellbau-Zubehör und dem Fliegen von Modellflugzeugen, doch am Nachmittag klagte er über Schmerzen in seiner Brust. Roy brach kurz vor Mitternacht im Haus seiner Mutter zusammen. Er war an der Spitze der Charts zurück, als er mit 52 Jahren spät am Abend starb.

Das 1989 nach seinem Tod veröffentlichte Album "Mystery Girl" wurde zum meistverkauften Album seiner Karriere. Zwei Auskoppelungen des Albums wurden Hits: "You Got It" kam in die Top-10 der US-Charts und Bono's "She's A Mystery To Me" kletterte in die Top-30 in England. 1992 brachte Virgin Records das Album "King Of Hearts" heraus, eine Zusammenstellung von bis dahin unveröffentlichten Songs, und das Album "The Very Best Of Roy Orbison", das seine Karriere vom Anfang bis zu den letzten Jahren dokumentierte, kam 1996 heraus.

Roys Vermächtnis wächst weiter durch seine Frau; Barbara widmete ihre Zeit der Nachlass-Verwaltung und Realisierung neuer Projekte unter dem Label Orbison Records. Im Januar 1998 brachte sie ein Combo-Konzert heraus, das aus einer Zusammenstellung bisher nicht veröffentlichter Live-Aufnahmen von 1965 aus Holland und Frankreich besteht. Ein gleichnamiges Video enthält die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der originalen Aufzeichnung des holländischen Fernsehens. Im Jahre 1998, genau 10 Jahre nach seinem Tod, nahm Barbara den Grammy für Roys Lebenswerk in Empfang.

Dem 10. Jahrestag seines Todes gedenkend, produzierte Orbison Records ein ultimatives Set, das aus der "Roy Orbison and Friends: A Black and White Night"-CD, dem Video, der "In Dreams"-CD und einer signierten Roy Orbison Sonnenbrille besteht.

In der "Authorized Bootleg Collection" fasste Orbison Records vier komplette Live-Konzerte zusammen, die zwischen 1969 und 1980 aufgezeichnet wurden. Bis dahin waren sie nur auf verstreuten und teilweise schon ausgefransten Bändern oder minderwertigen Pressungen vorhanden - die erinnerungswürdigen Aufzeichnungen wurden digital aufbereitet, um die größtmögliche Klangqualität zu erhalten (natürlich mit den Einschränkungen, die sich durch die jeweiligen technischen Beschränkungen der Uraufnahmen ergaben).

Die weithin erfolgreiche und umjubelte "A Black and White Night"-DVD wurde 2000 realisiert. Die bahn brechende DVD wurde von dem führenden Ton-Ingenieur Elliot Scheiner überarbeitet und beinhaltet bis dahin unbekannte Versionen von "Blue Bayou" und "Claudette".

In Zusammenarbeit mit Image Entertainment produzierte Orbison Records 2003 die DVD "Live At Austin City Limits", die als spezielle Beigabe eine neue Dokumentation und eine exklusive Fotogalerie beinhaltet. Roy Orbison's Vorstellung 1982 in der Austin City Limits Fernsehshow war ein Meilenstein ihrer 25 jährigen Geschichte. Traditionell bevorzugten sie nur Austin und Texas Musik - Orbison war die erste lebende Legende, die auf dieser Bühne erschien und ihr damit eine neue Position auf der Popularitätsskala verschaffte. Es war Orbison's erste größere nationale Fernsehvorstellung (Dauer: 1 Stunde) und sie erneuerte landesweit das Interesse für den Rockstar. Orbison sang seine Hits und ein paar Raritäten und die komplette Aufzeichnung ist gespickt mit dem Jubel des Publikums und gipfelt in "Standing Ovations".

Im Sommer 2003 produzierte Orbison Records in Zusammenarbeit mit Eagle Rock Entertainment weltweit die DVD "Roy Orbison's Greatest Hits". Diese DVD vereint ein paar der besten Live-Auftritte des herausragenden Sängers und Liederkomponisten der Popmusik. Von seinem ersten Konzertauftritt bis zu seinem Comeback kurz vor seinem Tod nimmt uns diese DVD mit auf eine Reise durch die frühen Tage des Rock and Roll bis in die Zeit der größten Erfolge des legendärsten und prägenden Künstlers und Songschreibers unserer Zeit. Seine besten Live-Auftritte wurden in Dolby Digital 5.1 Surround sowie DTS Digital Surround überarbeitet und es ist nie zuvor gezeigtes Bonusmaterial enthalten, das Einblicke in Abschnitte von Roy Orbison's Karriere gewährt. Ebenfalls enthalten sind Filmszenen aus Privatbesitz, die speziell für diese DVD restauriert wurden.

Im Verlauf des Jahres 2004 plant Orbison Records in Zusammenarbeit mit Demon Records eine Neuauflage der kompletten MGM-Reihe. Andere spannende Projekte könnten drei geplante neue DVD-Veröffentlichungen werden, die u. a. ein bisher unbekanntes Live-Konzert in Australien und eine ultimative Sammler-DVD beinhalten sollen. Außerdem geplant ist ein bahn brechendes Roy Orbison Duett-Projekt und eine neue SACD sowie Audio-DVD von "A Black and White Night".

 Englischer Original-Text: Marcel Riesco, Übersetzung: Klaus Weckmann

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Stand: 11. Mai 2009