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Roy
Kelton Orbison wurde am 23. April 1936 um 15:30 Uhr in Vernon, Texas,
geboren. Seine Mutter Nadine war Krankenschwester, sein Vater Orbie Lee ein
Arbeiter und Roy war ihr zweites Kind. An seinem sechsten Geburtstag, Roy
hatte sich eine Mundharmonika gewünscht, bekam er von seinem Vater
glücklicherweise eine Gitarre. Orbie Lee wird nachgesagt, Roy das
Gitarrenspiel beigebracht zu haben. Wie dem auch sei; Roy lernte auch von
Charlie Orbison, Orbie Lee's Bruder, und von Kenneth Schulz, dem Bruder von
Nadine. Zusammen mit Clois Russel, Orbie Lee's Nachbar und Arbeitskollege,
spielten und sangen sie oft. Das erste Lied, dass Roy je gespielt hat, war
der Klassiker "You Are My Sunshine". Roy lernte sehr schnell, weil er auf
diese Weise lange aufbleiben konnte, um mit den Erwachsenen zu singen.
Irgendwann im Jahr 1942 zog die Orbison Familie nach Fort Worth. Dort in
Fort Worth fanden sie Arbeit in den Munitions- u. Flugzeugwerken, die
infolge Amerikas Eintritt in den 2. Weltkrieg expandierten. Wegen einer
Polio-Epedemie wurden Roy und sein älterer Bruder Grady 1944 zurück
geschickt, um bei ihrer geschiedenen Großmutter mütterlicherseits in Vernon
zu leben. Roy schrieb im selben Jahr vor dem Haus seiner Großmutter seinen
ersten Song "A Vow of Love". 1945 nahm er an einem Gesangswettbewerb des
Senders KVWC teil und gewann ihn. Das führte dazu, dass Roy jeden Samstag in
einer eigenen Radio-Show seine Lieder singen konnte. 1946 kam eine
Arzneimittel-Werbeshow in die Stadt und Roy nahm mit den Songs "Mountain Dew"
und "Jole Blon" an deren Talentwettbewerb teil und kam zusammen mit einem 15
jährigen Kind auf den ersten Platz. Der erste Preis waren 15 Dollar - Roy
bekam also 7,50 Dollar und er gab noch die Hälfte davon seinem Freund für
das Tragen der Gitarre.
Als der Krieg vorbei war, vereinte sich die Familie wieder in Vernon und zog
Ende 1946 westwärts nach Wink, Texas. Roy formierte 1949 im Alter von 13
Jahren seine erste Band, die sich selbst "The Wink Westerners" nannte.
Im Jahr 1951 war Roy regelmäßig beim Radiosender KERB in Kermit zu hören.
1952 wurde Roy der Manager des "Wink High School's Kittens" - Football
Teams. 1953 hatte die Band einmal pro Woche vor Schulbeginn beim Sender KERB
eine eigene Show, die von ortsansässigen Geschäftleuten gesponsert wurde.
Den ersten öffentlichen Auftritt hatten "The Wink Westerners" in einem der
Schulgebäude. Sie wurden auch unterstützt durch die jeden Samstagnachmittag
vom Sender KERB ausgestrahlten Sendungen mit lokalen Country & Western
Bands. Die ersten Songs, die sie spielten, waren "Kaw-Liga", "Mexican Joe",
"Caribbean" und "Under The Double Eagle". Aber sie wollten nicht
ausschließlich Country Musik machen - schrittweise begannen sie
Big-Band-Arrangements für Streicher zu schreiben und Instrumentals wie "In The Mood" oder "Little Brown Jug" sowie Pop-Klassiker zu spielen. Den Sommer
verbrachte Roy mit Arbeit in einer Teerfabrik, Verschrotten von Metall in
den Ölfeldern oder Anstreichen von Wassertürmen. Roy war auch Mitglied im
Spielmannszug, in einer 8er-Gesangsgruppe und versuchte sich gelegentlich
sogar daran, das Bariton-Horn zu spielen.
Bei einem der Bandauftritte im McCamey's Lions Club bekamen sie das Angebot,
für ein Honorar auf einer Tanzveranstaltung zu spielen. Die Bezahlung für
den Job entsprach dem Lohn für eine Woche harte Arbeit, so dass sie
einwilligten, obwohl sie gerade mal 4 oder 5 Songs spielen konnten. In aller
Eile übten sie im Bürgerhaus zusätzliche Songs und begannen damit, für das
bezahlt zu werden, was sie am liebsten tun wollten.
Von R.A. Lipscomb, der sich 1953 für das Bezirksvorsitzenden-Amt des Lions
Club bewarb, wurden sie zu einer Tour durch West Texas eingeladen. Sie
nahmen am 36. Internationalen Lions Club Treffen vom 3. bis 11. Juli des
Jahres in Chicago teil - zusammen mit Mr. Lipscomb wohnten sie im Conrad
Hilton Hotel und die Wink Westerners traten in der Hotel-Lobby auf. Nach
seinem Abschluss an der Wink High School schrieb sich Roy im Juni 1954 für
das Herbst Semester am North Texas State College in Denton ein, kam zum
Weihnachtsfest nach Hause und spielte am 31. Dezember 1954 mit den Wink
Westerners zum Neujahrstanz auf.
Wade Lee Moore und Dick Penner waren zwei College-Freunde von Roy in Denton,
die den Song "The Ooby Dooby" geschrieben hatten. Dick Penner arrangierte
für sie die Aufnahme des Songs in Jim Beck's Studio am Stadtrand von Dallas,
Texas, südöstlich von Denton. Beck war verantwortlich für die Entdeckung von
Lefty Frizzell und Marty Robbins für Columbia Records und deshalb reiste die
Band nach Dallas um "Ooby Dooby" und "Hey, Miss Fannie" (das sich anhört wie
ein Duett von Roy und James Morrow) aufzunehmen. Die Aufnahmen fanden an
verschiedenen Tagen im Sommer 1955 statt und die Jungs kamen dann zurück
nach West Texas. Roy war überzeugt, einen Vertrag mit Columbia Records zu
bekommen - es kam aber nie dazu.
Im Laufe des Sommers 1955 vereinten sich die Wink Westerners erneut in West
Texas. Wenn sie nicht in lokalen Clubs auftraten, spielten sie beim
Samstag-Nacht-Festival in Jal, New Mexico. Irgendwie schaffte es die Band,
zusammen mit anderen lokalen Country & Western Bands bei einer
Samstagnachmittag Fernseh-Show beim KMID-TV Kanal 2 in Midland aufzutreten.
Zusätzlich zu ihrem Repertoire begannen sie ein paar Rock and Roll Nummern
inklusive "That's All Right Mama", "Rock Around The Clock" und natürlich "Ooby
Dooby" zu spielen. Sie hatten umgehend Erfolg damit und als Ergebnis
erhielten sie eine eigene 30 Minuten-Show Freitags Nacht beim Sender KMID.
Roy schrieb sich im Herbst 1955 am Odessa Junior College ein, um als
Hauptfach Geologie zu studieren, doch dann wechselte er zu Geschichte und
Englisch. Bald danach trafen die Bandmitglieder erneut in der Walnut Street
in Odessa zusammen. Mit einigen neuen Mitgliedern benannten sie sich selbst
um in "The Teen Kings", weil sie mehr und mehr Rock and Roll spielten. Sie
bekamen eine zweite lokale wöchentliche TV-Sendung, am Samstag von 16:30 bis
17:00 Uhr beim Kanal 7 des TV-Senders KOSA, Odessa, der zum nationalen
CBS-Verbund gehörte. Zu der Zeit kamen Johnny Cash und Elvis Presley für
Auftritte in die Stadt und erschienen auch in Roys Fernsehshow. Roy bat
Johnny Cash um Rat, wie er eine Schallplatte veröffentlichen könne, und Cash
gab ihm die Telefon-Nummer von Sam Phillips in Memphis. Roy rief dort an und
Mr. Phillips legte mit den Worten "Johnny Cash leitet nicht meine
Plattenfirma!" den Hörer auf.
Roy hatte sich dem lokalen Unternehmer Weldon Rogers vorgestellt, der in
Verbindung zu Chester C.C. Oliver stand. Die beiden hatte gerade die Firma
Je-Wel gegründet und wollten von Roy und der Band Aufnahmen machen. Roy nahm
ängstlich das Angebot von Regers und Oliver an und die hastig arrangierte
Aufnahme-Session fand am 4. März 1956 im Norman Petty Studio in Clovis, Neu
Mexico, statt. Dabei wurden mit Roy und den Teen Kings die Clover's Titel "Trying
To Get To You" und "Ooby Dooby" aufgenommen. Die Single wurde 2 Wochen
später, ca. am 19. März 1956 fertig gestellt. Am gleichen Tag nahm Roy eine
Kopie davon und brachte sie zu Cecil Hollifield nach Odessa. Er war ein sehr
bekannter Platten-Händler in West Texas. "Poppa" Hollifield mochte diese
Aufnahmen und spielte sie per Telefon einem Bekannten in Memphis vor. Der
Typ am anderen Ende der Leitung bat ihn um eine Kopie. Sein Name war Sam
Phillips. Besitzer der Firma Sun Records. Ein paar Tage später rief "Poppa"
bei Roy an und sagte ihm, das Sam Phillips die Teen Kings in drei Tagen in
Memphis erwarten würde, um Aufnahmen für Sun Records zu machen.
Roy und die Teen Kings kamen am Montag, den 26. März 1956, in Memphis an. Am
folgenden Tag wurde "Ooby Dooby", "Trying To Get To You" und "Go Go Go (Down The Line)" neu aufgenommen. Bob Neal, Besitzer von Starts Inc., schloss mit
der Gruppe einen Buchungs- und Managementvertrag. Sie begannen versuchsweise
mit einer Tour durch südliche Autokinos, in denen sie zwischen den
Filmvorführungen auf dem Dach des Projektionshauses auftraten. Die meiste
Zeit waren sie mit Carl Perkins, Johnny Cash, Warren Smith, Sonny Burgess,
Faron Young, Johnny Horton und schließlich mit Jerry Lee Lewis und anderen
Country und Rockability Stars auf Tour.
"Ooby Dooby" erreichte im Juni 1956 als höchste Position den Platz 59 in der
nationalen Hitliste, aber die nächste Sun Single landete gar nicht in den
Charts und Roy begann sein Songschreibertalent zu entfalten. Die Teen Kings
trennten sich im Dezember 1956 und Roy nutzte Studio-Musiker für die
nachfolgenden Aufnahmen. Bis 1958 blieb er weiterhin bei Sun Records.
Bob Neal bot Roy im März 1958 einen Auftritt in der Everly Brothers Show in
Hammond, Indiana, an. Die Everlys brauchten noch einen Song für ihre neue
Single und sie fragten Roy, ob er nicht irgendwas Passendes hätte. Er sang
ihnen seine neue Komposition "Claudette" vor, sie baten ihn den Text
aufzuschreiben und Roy schrieb den Text auf den Deckel eines Schuhkartons.
Roy schloss später mit Wesley Rose, von der Vertriebsfirma Acuff-Rose Musik,
einen Vertrag für dessen Verlag in Nashville. Wesley Rose besorgte Roy auch
einen Vertrag mit RCA-Victor, wo er nachweislich mit Chet Atkins arbeitete.
"Claudette" von den Everly Brothers wurde im März 1958 als B-Seite von "All
I Have To Do Is Dream" veröffentlicht. Die A-Seite kam auf Platz 1,
"Claudette" erreichte Platz 30. Zu der Zeit wurden seine Songs auch von
Buddy Holly, Jerry Lee Lewis und Rick Nelson aufgenommen.
Wesley Rose verschaffte Roy umgehend einen neuen Vertrag mit der
unabhängigen Firma Monument Records, als sein Vertrag mit RCA Mitte 1959
auslief.
Zurück in Texas begann Roy mit Joe Melson Songs zu schreiben und nach einem
Flop hatten sie Erfolg mit "Uptown", welches Ende 1959 aufgenommen und
veröffentlicht wurde. Von "Uptown", dass es immerhin bis auf Platz 50 der
Top-100 Liste schaffte, wurden mehr Platten verkauft als von irgend einem
anderen Orbison Song seit "Ooby Dooby". Der Sound war ungewöhnlich, weil er
Streicher statt der in Nashville sonst üblicherweise verwendeten Fiedeln
enthielt.
Die dritte Single für Fred Foster's Monument Label war "Only The Lonely",
bei dem zum ersten Mal das Potential von Orbison's Stimme ausprobiert wurde
und das seine Einzigartigkeit etablierte. Der Song landete auf Platz 2 und
erreichte in England Platz 1.
Die Herausforderung "Only The Lonely" zu übertreffen war groß. Die
nachfolgenden "Blue Angel" und "I'm Hurting" unterschieden sich nicht
ausreichend von "Only The Lonely" und es bedurfte weiterer Versuche von
Orbison und Melson, wieder etwas Besonderes zu erschaffen.
Der nächste größere Erfolg war "Running Scared", welches den Weg bis auf
Platz 1 in den USA schaffte.
Ein paar Sachen trugen zu Roys Erfolg bei: die Songs, die Produktion und
Roys Leistung waren Schlüsselfaktoren. Die Songs bildeten eine Einheit aus
Struktur, Sound und Stil. Vollkommen zukunftsweisende Kompositionen, wie es
sie bis dahin nicht gab - es wurde eine Stilrichtung. Fred Foster bemühte
sich um Qualität statt Quantität. Er war auch ohne Erfolgsgarantie gewillt
in eine Aufnahme zu investieren und er war bereit, auch dem Sound eine
Chance zu geben, der sich nicht an marktübliche Normen hielt.
Danach folgten "Crying", "Candy Man", "Dream Baby", "Working For The Man", "Leah",
"In Dreams", "Pretty Paper", "Blue Bayou", "Mean Woman Blues" und "It's Over".
Das wurde eine Reihe von Top 40 Hits für Roy in den folgenden vier Jahren.
Roy wurde zum meistverkauften amerikanischen Künstler und zu einem der
größten Namen in diesem Geschäft.
Im Mai 1963, während des Erfolges von "In Dreams", bekam Roy vermutlich die
Einladung von Wesley Rose, mit den Beatles, die niemand in den USA kannte,
in England auf Tournee zu gehen. Sämtliche Karten waren an einem Nachmittag
ausverkauft. In der ersten Abendvorstellung bekam Roy 14 "Vorhänge", bevor
die Beatles auf die Bühne konnten.
Roy Orbison war einer der wenigen Hit-Erzeuger, der seine Position halten
und seine Bekanntheit steigern konnte in der Zeit der sog. "Englischen
Invasion" in den USA. Er schaffte es mit seiner unschlagbaren Qualität
seiner Songs, mit seinen einzigartigen Inhaltsvariationen, seiner
Songstruktur, dem Tempo und dem Rhythmus. Er war auch ein extrem beweglicher
Songschreiber, der während einer Reihe von Auftritten oder zwischen den
Auftritten, den Songs den kommerziellen Glanz verleihen konnte.
"Oh, Pretty Woman" wurde am 1. August 1964 aufgenommen. Es wurde zusammen
mit seinem neuen Partner Bill Dees geschrieben und es wurde Roys größter
Hit und zweifellos eines der bekanntesten Rock-Lieder aller Zeiten. Im
August in den USA und im September in England veröffentlicht, kletterte es
an die Position 1 in allen Ländern der Welt. Schätzungen zu Folge wurde der
Song über sieben Millionen mal in dem Jahr verkauft.
Roy ging 1964 mit den Beach Boy und 1965 mit den Rolling Stones in
Australien auf Tournee und bestritt ausgiebig Tourneen durch Europa.
Einige größere Plattenfirmen zeigten nach seiner Anstellung bei Monument ihr
Interesse an Roy. MGM machte ein Angebot von 1 Million Dollar. Die erste
Single, "Ride Away" wurde nur ein mäßiger Erfolg, aber es war der größte in
den USA, den Roy in den nächsten 20 Jahren haben sollte. Was zunächst nicht
mehr als ein Wechsel der Plattenfirma erschien, wurde eine große Wendung in
seiner Karriere. MGM war sehr erfolgreich zu der Zeit, aber auch das sollte
sich ändern. Monument war Roys Label, aber bei MGM war er nur ein weiterer
Künstler. Quantität zählte mehr als Qualität und Roy musste eine vorgegebene
Anzahl Singles und Alben pro Jahr veröffentlichen, was nicht ohne Folgen
blieb.
Seine dunkle Zeit setzte sich fort, als auch sein Privatleben aus den Fugen
geriet. Im Jahr 1966 starb seine Frau Claudette, die er 1957 geheiratet
hatte, bei einem Motorradunfall. Zwei Jahre später wurde es noch schlimmer -
zwei seiner drei Kinder starben, als sein Haus in Hendersonville nieder
brannte. Roy war eine zeitlang unfähig Songs zu schreiben, gab sich aber
nach außen hin positiv und ging weiter auf Tour. Ende 1966 drehte Roy den
Film "The Fastest Guitar Alive", in dem er seine einzige Film-Hauptrolle
spielte. Sein letzter Top-100 Eintrag in den USA für den Rest der 60er und
70er Jahre war "Cry Softly Lonely One" im Juli 1967.
Im August 1968 hatte Roy eine deutsche Frau namens Barbara Annemarie
Wellhöner-Jacobs in Leeds, England, kennen gelernt. Sie kam Ende 1968 in die
USA und sie heirateten am 25. Mai 1969 in Nashville. Sie begannen damit, ein
neues Haus am Old Hickory Lake in Hendersonville zu bauen, nur einen Block
entfernt von der Stelle, an der das alte Haus vorher gestanden hatte.
Als sein Vertrag mit MGM Ende 1973 auslief, unterzeichnete Roy 1974 einen
Ein-Jahres-Vertrag mit Mercury Records ohne größere Erfolge zu haben, doch,
wie Roy es ausdrücken würde, hatte er immer irgendwo in der Welt eine
Aufnahme in den Hitlisten. "Penny Arcade" war zum Beispiel wochenlang Nummer
1 in Australien und "Too Soon To Know" war Nummer 3 in England. Nach dem
Vertrag mit Mercury Records unterschrieb Roy 1976 zwischen Touren im fernen
Osten, Australien, Asien und Europa erneut bei Monument mit der Absicht,
seine Karriere fortzusetzen. Roy bezahlte dann für sein starkes Rauchen,
seine schweren Tourneen und sein Leben auf der Straße, als er sich am 18.
Januar 1978 einer Operation am offenen Herzen im St. Thomas Hospital in
Nashville unterwarf, aber er war bereits drei Wochen später zurück auf der
Straße - nur um zu prüfen, ob er es noch konnte.
In diesem Zeitraum begannen sich die Verhältnisse in den USA zu bessern. Roy
stand in Europa, hauptsächlich in England, immer im Rampenlicht und jeder
wusste, wer Roy Orbison ist. Er war populär und er hatte mehr Show-Auftritte
in Europa, als in seinem Heimatland. Als Linda Ronstadt einen großen
Hiterfolg mit Roys "Blue Bayou", das 7 oder 8 Millionen mal verkauft wurde,
verzeichnen konnte, Van Halen einen Riesenerfolg mit "Oh, Pretty Woman"
hatte und Don McClean das gleiche mit "Crying" erreichte, begann auch für
Roy Orbison das Comeback in den USA.
Schlüsselfaktoren für Roys Karrieren-Wiedergeburt in den USA waren: ein
Grammy für "That Lovin' You Feelin' Again" mit Emmylou Harris, sein Song
"Wild Hearts Run Out Of Time" in dem Film 'Insignificance', die
Veröffentlichung der LP "Class Of '55" zusammen mit anderen Sun-Gefährten,
sein Gang nach Malibu, Californien, Ende 1985 zu Neuaufnahmen seiner größten
Hits für eine LP des Labels Silver Eagle aus Kanada und die Verwendung
seines Songs "In Dreams" für den Film 'Blue Velvet' - alles zusammen trug dazu
bei, Roys Musik wieder ins Gespräch zu bringen. Der Kultfilm 'Blue Velvet'
half Roy dabei, wieder dem Zeitgeschmack zu entsprechen - das was er immer
gewollt hatte.
Es wurde verkündet, das Roy am 21. Januar 1987 in die 'Rock and Roll Hall Of Fame' in New York aufgenommen würde. Die Ansprache von Bruce Springsteen
lautete: "Als ich 1975 ins Studio ging, um "Born To Run" zu produzieren,
wollte ich einen Song machen mit einem Text wie Bob Dylan und einem Sound
wie Phil Spector. Vor allem aber wollte ich singen wie Roy Orbison." Direkt
danach schloss Roy einen Vertrag mit Virgin Records ab, die umgehend seine
größten Erfolge auf der LP "In Dreams - Greatest Hits" heraus brachten. Es
gab auch ein paar neue Songschreiber, die mit Roy zusammen arbeiteten - u.
a. auch Jeff Lynne. Neues Material wurde für eine geplante Virgin-LP in Los
Angeles aufgenommen und die Erwartungen wuchsen.
Roy wollte schon seit längerer Zeit ein TV-spezial machen. Einige wurden
aufgenommen, wie z.B. sein Auftritt im Los Angeles Country Club oder sein
Live-Auftritt in Birmingham, Alabama, aber nichts reicht an das sehr schöne
"Roy Orbison and Friends - A Black and White Night Live". Dieses Ereignis
wurde im legendären 'Coconut Grove' im Ambassador Hotel in Los Angeles
aufgezeichnet. Die Band setze sich zusammen aus bekannten Gesichtern. Unter
ihnen waren Bruce Springsteen, Elvis Costello, K.D. Lang, Tom Waits, Bonnie
Raitt, Jennifer Warnes, T-Bone Burnette, Jackson Browne und J.D. Souther und
sie wurden unterstützt von Elvis Presley's Showband, die auch James Burton
an der Gitarre beinhaltete. Dieses TV-spezial wurde im Januar 1988 vom
Cinemax Kabelfernsehen ausgestrahlt und nachträglich als Video
veröffentlicht. Es wurde zum Meilenstein in Roys Karriere.
Von "Crying" wurde ein Duett mit K.D. Lang als Single und als Video
herausgebracht und es brachte Roy einen weiteren Grammy. Seine
Zusammenarbeit mit Jeff Lynne wurde sehr produktiv. Jeff hatte gerade George
Harrison's "Cloud Nine" produziert und arbeitete gleichzeitig an
Roys und
Tom Petty's Material. Das führte letztendlich zum Projekt Traveling Wilburys,
das ein Riesenerfolg wurde. Die Gruppe bestand aus Roy, George Harrison,
Jeff Lynne, Tom Petty und Bob Dylan. Die Aufnahmen wurden im Oktober fertig
gestellt und erreichten die Top-10. Danach folgte noch ein schönes Video für
ihre erste Single "Handle With Care".
Roys neues Solo-Album war schon fertig und bereit zur vorgesehenen
Veröffentlichung im Januar 1989. Roy kam Mitte November nach Europa und bei
der
Diamond Award Verleihung am 19. November 1988 in Antwerpen, Belgien, war er
die Hauptattraktion des Abends. Die Show wurde aufgezeichnet und Roy sang zu
einem Playback seines neuen Songs "You Got It". Roy hatte eine neue Band und
er sah besser aus je zuvor mit seinem kleinen Pferdeschwanz. Roys neues
Outfit war hervorragend und gleichzeitig etwas schockierend - er war wieder
DER Roy Orbison.
Er kam zurück nach Amerika, spielte sein letztes Konzert in Highland Heights,
Ohio, und er hatte schon feste Pläne für große Tourneen in Europa und den
USA in den nächsten Jahren. Er fuhr am 4. Dezember runter nach Nashville und
am Dienstag, den 6. Dezember 1988, verbrachte er seine Zeit mit Einkaufen
von Modellbau-Zubehör und dem Fliegen von Modellflugzeugen, doch am Nachmittag klagte
er über Schmerzen in seiner Brust. Roy brach kurz vor Mitternacht im Haus
seiner Mutter zusammen. Er war an der Spitze der Charts zurück, als er mit
52 Jahren spät am Abend starb.
Das 1989 nach seinem Tod veröffentlichte Album "Mystery Girl" wurde zum
meistverkauften Album seiner Karriere. Zwei Auskoppelungen des Albums wurden
Hits: "You Got It" kam in die Top-10 der US-Charts und Bono's "She's A
Mystery To Me" kletterte in die Top-30 in England. 1992 brachte Virgin
Records das Album "King Of Hearts" heraus, eine Zusammenstellung von bis
dahin unveröffentlichten Songs, und das Album "The Very Best Of Roy Orbison",
das seine Karriere vom Anfang bis zu den letzten Jahren dokumentierte, kam
1996 heraus.
Roys Vermächtnis wächst weiter durch seine Frau; Barbara widmete ihre Zeit
der Nachlass-Verwaltung und Realisierung neuer Projekte unter dem Label
Orbison Records. Im Januar 1998 brachte sie ein Combo-Konzert heraus, das
aus einer Zusammenstellung bisher nicht veröffentlichter Live-Aufnahmen von
1965 aus Holland und Frankreich besteht. Ein gleichnamiges Video enthält die
Schwarz-Weiß-Aufnahmen der originalen Aufzeichnung des holländischen
Fernsehens. Im Jahre 1998, genau 10 Jahre nach seinem Tod, nahm Barbara
den Grammy für Roys Lebenswerk in Empfang.
Dem 10. Jahrestag seines Todes gedenkend, produzierte Orbison Records ein
ultimatives Set, das aus der "Roy Orbison and Friends: A Black and White
Night"-CD, dem Video, der "In Dreams"-CD und einer signierten Roy Orbison
Sonnenbrille besteht.
In der "Authorized Bootleg Collection" fasste Orbison Records vier komplette
Live-Konzerte zusammen, die zwischen 1969 und 1980 aufgezeichnet wurden. Bis
dahin waren sie nur auf verstreuten und teilweise schon ausgefransten
Bändern oder minderwertigen Pressungen vorhanden - die erinnerungswürdigen
Aufzeichnungen wurden digital aufbereitet, um die größtmögliche
Klangqualität zu erhalten (natürlich mit den Einschränkungen, die sich durch
die jeweiligen technischen Beschränkungen der Uraufnahmen ergaben).
Die weithin erfolgreiche und umjubelte "A Black and White Night"-DVD wurde
2000 realisiert. Die bahn brechende DVD wurde von dem führenden
Ton-Ingenieur Elliot Scheiner überarbeitet und beinhaltet bis dahin
unbekannte Versionen von "Blue Bayou" und "Claudette".
In Zusammenarbeit mit Image Entertainment produzierte Orbison Records 2003
die DVD "Live At Austin City Limits", die als spezielle Beigabe eine neue
Dokumentation und eine exklusive Fotogalerie beinhaltet. Roy Orbison's
Vorstellung 1982 in der Austin City Limits Fernsehshow war ein Meilenstein ihrer 25 jährigen
Geschichte. Traditionell bevorzugten sie nur Austin und Texas Musik - Orbison war die erste lebende Legende, die auf dieser Bühne erschien und ihr
damit eine neue Position auf der Popularitätsskala verschaffte. Es war
Orbison's erste größere nationale Fernsehvorstellung (Dauer: 1 Stunde) und
sie erneuerte landesweit das Interesse für den Rockstar. Orbison sang seine
Hits und ein paar Raritäten und die komplette Aufzeichnung ist gespickt mit
dem Jubel des Publikums und gipfelt in "Standing Ovations".
Im Sommer 2003 produzierte Orbison Records in Zusammenarbeit mit Eagle Rock
Entertainment weltweit die DVD "Roy Orbison's Greatest Hits". Diese DVD
vereint ein paar der besten Live-Auftritte des herausragenden Sängers und
Liederkomponisten der Popmusik. Von seinem ersten Konzertauftritt bis zu
seinem Comeback kurz vor seinem Tod nimmt uns diese DVD mit auf eine Reise
durch die frühen Tage des Rock and Roll bis in die Zeit der größten Erfolge
des legendärsten und prägenden Künstlers und Songschreibers unserer Zeit.
Seine besten Live-Auftritte wurden in Dolby Digital 5.1 Surround sowie DTS
Digital Surround überarbeitet und es ist nie zuvor gezeigtes Bonusmaterial
enthalten, das Einblicke in Abschnitte von Roy Orbison's Karriere gewährt.
Ebenfalls enthalten sind Filmszenen aus Privatbesitz, die speziell für diese
DVD restauriert wurden.
Im Verlauf des Jahres 2004 plant Orbison Records in Zusammenarbeit mit Demon
Records eine Neuauflage der kompletten MGM-Reihe. Andere spannende Projekte
könnten drei geplante neue DVD-Veröffentlichungen werden, die u. a. ein
bisher unbekanntes Live-Konzert in Australien und eine ultimative
Sammler-DVD beinhalten sollen. Außerdem geplant ist ein bahn brechendes Roy
Orbison Duett-Projekt und eine neue SACD sowie Audio-DVD von "A Black and
White Night".
Englischer Original-Text: Marcel
Riesco, Übersetzung: Klaus Weckmann |